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durch ioana orleanu [ioana orleanu]

2008-10-04  |     | 



Haben und scheinen - auf keinen Fall: sein. Ob sich Schopenhauer nicht wie ein Kreisel in seinem Grab dreht ? Und Seneca, könnte er sich vorstellen, daß in den 2000 Jahren, die uns trennen, alles nur noch schlimmer geworden ist: "Cogito mecum, quam multi corpora exerceant, ingenia quam pauci..." ?!!

Wer will heute noch alt, noch weise werden ?

In der heutigen Zeit auf das Sein zu setzen, bedeutet, sich als ausgesprochener "looser "zu erweisen.

Was bringt so richtig viel Geld oder Ruhm ein? Spekulationen. Werbung. Politik. Modeling. Sport. Die Gesellschaft belohnt das durch und durch Nicht-Produktive, Inhaltslose, Oberflächliche.

Die Medien leben durch den Schein, der Schein gewinnt gesellschaftliche Höchstbedeutung (auch) durch die Medien. Was Wunder also, wenn die Schau-Spieler (sich zur Schau stellende Mimen !) als die "crème de la crème" der Elite gelten ? Dicht hinter ihnen: die Nachrichtensprecher, Moderatoren und show-master - als eigentliche Herrscher über alle Lebenssurogate: Spiel, Spaß, Information. Hoch, ganz hoch, wirklich sehr hoch über ihnen schwebend - die Hohepriesterinnen des schönen Scheins, ihn in seiner reinsten Form: das Nichts! verkörpernd: die Models. Irgendwo als Gruppe für sich, geschätzt und geehrt und daher steinreich: die Austräger moderner Schein-Kämpfe: Rennfahrer, Tennisasse, Boxer - die modernen Gladiatoren eben. Darunter: das betuchte Fußvolk: die arbeitenden Erzeuger und Erhalter der Schein-Welt: Designer, Werbe- und Computerfachmänner, Börsianer und Broker. Und irgendwo ganz weit unten: die graue Masse der Niemande.

Wie unbedeutend Inhalt, Tiefgründigkeit, Beschaulichkeit, Kontemplation, Mäßigung und Selbstbeherrschung, wie wertlos Seele und Geist geworden sind. Wie bezeichnend, daß Dichtung und Philosophie - die Gattungen jenes ach so barbarischen Altertums ! - heute überhaupt keine Rolle mehr spielen. Es träumte von Muße, jenes Altertum, es predigte Einfachheit, Einschränkung - auf das Wesentliche, Rückzug - in sich selbst. Eine fremde Sprache spricht es, eine, die keiner mehr versteht. Staunend und lächelnd betrachtet man es, wie einen komischen Kauz, ein sonderbares Tier.

Was ?, einkehren soll man ? womöglich - in sich selbst ? Was aber - wenn man kein Selbst hätte, wenn man ohne geboren oder wenn es irgendwo auf der Reise verloren gegangen wäre? Und gesetzt man hätte eines – ein karges, kleines, ganz unterentwickeltes -, ließe man dafür die "Welt" los, diese schöne, neue, mit tausend Fängen lockende?


(Auszug aus „Innenansichten einer Außenseiterin“)

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