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Abschied
prosa [ ]
oder Begegnung

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von [FcPoliFan ]

2005-04-25  |     | 



Die Luft war noch feucht, von all den Tränen der Freude und des Jammers, so dass der Rauch der Zigarette blockweise zum Boden herabfiel. Es war schon nach zehn Uhr abends und ich war alleine geblieben. Der Rest hatte es schon hinter sich, ich aber musste noch ein bisschen im Rauchtuch warten. Eigentlich hasse ich den Zigarettenrauch; er gibt mir immer ein Gefühl der Demütigung und er riecht so verwesen! Und eigentlich ist das Problem nicht “Rauchen schadet der Gesundheit”, sondern Rauchen schadet dem Geist, vor allem meinem.
Es wurde ziemlich ruhig bis um elf Uhr. Die Musik wurde sanfter, auf sanfte Menschen eingestellt, die sanfte Augenblicke unter den Tischen und in den Toiletten erleben wollten, denn, sicher, auch in den Toiletten spielte die Musik. Was wäre das Leben, wenn man während des Pinkelns nicht einen Rhythmus folgen konnte? Der Rest erklärt sich ja von selbst. Rundherum, neben mir, war niemand. Einige Tische und Stühle weiter aber aßen sich einige Kerle mit ihren Weibern satt, wobei sie so pfutsch aussahen, dass sie nicht mal bis zum Ausgang hätten gehen können. Nicht zu reden von dem was sie sicherlich geplant hatten.
Sie musste bald da sein, dachte ich. Wir hatten uns seit Jahren nicht mehr gesehen. Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich, am Anfang, nicht Tag und Nacht an sie gedacht habe, so, wie es eigentlich immer in der Spätpubertät ist. Jedes Mal, als ich meine Augenlider schloss, erschien ihr Bild und ich verlor mich mit Leichtigkeit im Labyrinth der Phantasie. Es gibt nie einen roten Faden, dem man folgen kann, so dass ich nicht genau weiß wann es vorüber war. Jetzt aber war sie nur noch ein Schimmer einer verschwommenen Erinnerung. Ich erinnere mich noch, wir sahen uns immer nach den Stunden und ich weiß noch genau, dass fast täglich einer von uns bei irgendeinem veralteten Fach schwänzen musste. Letztendlich sammelten sich so viele versäumte Stunden bei uns beiden an, dass wir in Schwierigkeiten mit dem Direktor gerieten. Aber uns war es scheissegal. Unsere einzige Sorge war, dass unsere Eltern nicht sehr viel mitbekamen, und die konnten wir problemlos im Griff behalten.
Jetzt aber waren wir erwachsen. Wir durften nicht mehr blöde Dinge machen, denn so etwas machen Erwachsene einfach nicht. Nein, sie machen Dinge, die viel…erwachsener sind als das, was wir machten. Wie ging das noch mal: “Der Unterschied zwischen Junge und Mann ist der Preis des Spielzeugs”? Nichts bleibt unverändert, aber nur sehr wenig Personen verlassen den Pfad den sie gewählt haben: waren sie mal schlecht, werden sie nur schlechter.
Als sie da war, erkannte ich, dass sie sich wenig verändert hatte. Es hätte keinen Sinn, sie mit Worten zu beschreiben, denn ich habe sie nie dafür geliebt, wie sie aussah; so wie all die, die sie nicht haben meinen, äußere Schönheit sei wenig wert im Vergleich mit der inneren. Ich habe auch noch gelernt, dass es ziemlich oft wirklich nichts bringt, wenn man so eine Beschreibung machen will, denn lebendige Gefühle finden sich nur selten in Worten wieder. Dafür muss man Talent haben und das habe ich, leider, nicht.
Sie erkannte mich auch; eigentlich war nicht so viel Zeit vergangen, dass wir uns vergessen konnten, aber in diesem Alter finden oft die größten Veränderungen statt, innerliche wie auch äußere. So kann ich sagen, dass ich mich fürchtete. Ich wusste nicht, ob sie noch das alte, liebenswürdige Mädchen war oder ob sie sich in etwas Anderes verwandelt hatte. Als sie bei mir ankam, stand ich auf und wollte sie auf die Wangen küssen. Sie aber drehte ihren Kopf und ließ mir keine Wahl, als ihren zarten Lippen mit meinen zu schmeicheln. Sie lächelte fröhlich, trotz ihrer offensichtlichen Müdigkeit, und wir setzten uns hin.
Sie war noch die, die ich gekannt hatte. Wir sprachen über alles, was inzwischen geschehen war, über Gemachtes und Ungemachtes, über Träume, über uns. Es war so, als ob wir uns erst seit einigen Tagen nicht mehr gesehen hatten. Was ich aber fühlte, war wirklich seltsam. Im obskuren Licht der Bar schien sie sogar schöner, als ich sie in Erinnerung behalten hatte; und ich hätte fast gedacht, dass solche Lokale nur zum Zeitvertreiben da sind. Wie es oft zwischen guten Freunden ist, war nichts zwischen uns geraten, keine Schranken der Gesellschaft, keine Larven der Dummheit und Oberflächlichkeit, kein vergessenes Versprechen, kein verpasster Traum. Es war wirklich das idealste Szenario, das es hätte geben können, so dass ich mich mehrmals fragte, ob es wirklich echt war. In dieser späten Stunde hätte meine Vorstellung mich leicht in einer Falle locken können. Wieso müssen wir immer auf das Gute so unsicher reagieren? Wieso fühlte ich den Impuls nicht, daran zu glauben? Vielleicht war es deshalb, weil die Zeit des Spielens vorbei war…weil wir Erwachsene waren und ich mir keine krummen Linien leisten konnte. Es soll nur sein, dass in uns immer ein Kind bleibt. Denn das Kind in uns sorgt sich nicht um diese Probleme.
Wahrscheinlich merkte sie, dass ich besorgt war, denn sie fragte, ob ich das-selbe fühle wie sie. Was immer das war, konnte ich nur ahnen, aber ich sagte ja und wir schauten uns erleichtert an. Man spricht immer von Menschen, die perfekt zueinander passen; ich weiß nicht ob es wirklich wahr ist. Kann man die Perfektion erarbeiten? Oder kann nur das perfekt sein, was wir intuitiv machen?
Nein. Vielleicht machen es einige intuitiv, ich kann es nicht. Des Herzens Kopf funktionert ebenso gut wie das Herz des Kopfes. Wie es für sie war, weiß ich nicht. Aber nach einer gewissen Zeit, saßen wir nur da und schauten uns an. Kein Augen- oder Gedankengespräch, kein “etwas”, nur Anschauen. Nichts anderes existierte mehr und ich war frei. Wir waren frei. Freiheit gilt nicht für das Einzelwesen.
Der Morgen kam sehr schnell und jemand warf uns netterweise raus. Amüsiert lachten wir so laut, wie wir einfach konnten, und schauten zum merkwürdigen stern-blauen Himmel. Hand in Hand und noch ein Kuss. Dieser Abschiedskuss…man schließt die Augen und alles verschwindet wieder.

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