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Leserbriefschicksal
presse [ ]
Kolumne 55

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von [Delagiarmata ]

2008-04-15  |     | 



Wer einen Leserbrief schreibt, muss wissen, dass von seiner Botschaft oder Kritik letztendlich nicht viel oder gar nichts übrig bleiben könnte. Was aber nicht heißt, dass der Brief von dem angeschriebenen Druckorgan unterschlagen wird. Das ist auch gar nicht notwendig, denn jede seriöse Leserbriefrubrik ist vorsorglich schon mal mit diesem oder ähnlichem Hinweis versehen: „ Wer seine Meinung öffentlich äußert, sollte zu ihr stehen. Wir drucken daher diese Zuschriften – von begründeten Ausnahmen abgesehen – nur mit vollem Namen des Einsenders ab. Anonyme Zuschriften werden nicht berücksichtigt. Leserbriefe geben nur die Meinung des Einsenders wieder. Die Redaktion behält sich bei Zuschriften die Auswahl und das Recht der sinnwahrenden Kürzung vor.“

Dieses Kleingedruckte ist vor allem schon darum sehr wichtig, weil man dadurch Kritik am eigenen Blatt vorbehaltlos dem Nirwana anvertrauen kann. Beispiele für dieses, menschlich betrachtet, normale Verhalten von Zeitungsredaktionen gibt es bestimmt en masse. Publik werden sie aber nur selten, denn ein inhaltlich zerstückelter Leserbrief könnte ja auch Zweifel an der Formulierungs- und Schreibfähigkeit seines Verfassers aufkommen lassen.

Kürzlich erreichte ein Leserbrief die Redaktion einer Lokalzeitung, die sich gerne mit dem Beinamen „und seine Heimatzeitungen“ schmückt und sich daher auch als regional hält. Die Zeitungsmacher sind ein engagiertes Team, das auf vielfältige Art und Weise auch in Stadt & Region hineinwirkt. Eines ihrer löblichen Engagements richtet sich an junge Leser. Zeitung von Jugendlichen für Gleichaltrige machen zu lassen, ist eine tolle Idee und das Blatt stellt den jungen Gerneschreibern wöchentlich eine ganze Seite zur Verfügung. Eine bessere Werbung für den Journalismus im Allgemeinen und für das eigene Blatt im Besonderen kann es kaum geben, wenn ... ja, wenn es da nicht diesen Umgang mit der Leserbriefphilosophie gäbe.

Nun haben sich vier, dem Mainstream verschriebene Jugendliche an die Schreibarbeit gemacht und sich vorgenommen, den Florian Silbereisen aus den Fernsehkanälen zu putschen. Das haben sie auch ganz forsch angepackt, die drei Madels und ihr Kollege: Hau-Drauf-Journalismus im besten Sinne des Wortes. Da wurde mit einer Wohllust gelästert und mit Sprachinvektiven durch die Spalte gezogen, dass es für Volksmusikfeinde ein wahrer Genuss gewesen sein musste. Oder war das Ganze vielleicht gar nicht so ernst gemeint? Man durchlebte immerhin gerade die Faschingszeit.

Auf jeden Fall war das sehr schwer zu erkennen, besonders für ältere Menschen, die mit dem Umgangston heutiger Teenies wenig oder meistens gar nichts anfangen können. Das hat bei einem stark angesilberten Glatzkopf ziemliches Unbehagen ausgelöst und er war durchaus der Meinung, dass hier ein Redaktionsproblem vorliegt. Er vertrat nämlich die Ansicht, dass Weltanschauungsunterschiede zwischen Alt und Jung durchaus normal seien und ein offener Austausch darüber immer wünschenswert sei, wenn nur der Tonfall dabei stimmt. Und der schien ihm hier etwas aus dem Ruder gelaufen zu sein. Also schrieb er folgenden Brief an die Zeitung:

Zu „Silbereisen: König der Herzen“ ([...] vom 24. Januar):
Unser Alltag zeigt uns, dass „Gewalt, Alcopops und HipHop“ längst keine zu verniedlichenden Erscheinungen sind; wobei mir nicht unbedingt einleuchtet, warum letzterer überhaupt in dieser Aufzählung auftaucht. Als überzeugter Alpendudel-Abstinenzler finde ich es trotzdem erschreckend, wenn 12-Klässler in einer derart primitiven, rechtsradikallastigen Formulierung für ein „Wegputschen“ der volkstümlichen Musik aus den Fernsehprogrammen plädieren. Den Unterschied zur wahren Volksmusik scheinen die Verfasser eh nicht zu kennen.
Hier wird uns das gewaltige Intoleranzproblem unserer Gesellschaft unretuschiert vor Augen geführt. Diese Jugendlichen sind nicht fähig oder gewillt zu akzeptieren, dass Millionen Menschen – meist ältere Semester – einfach ein Recht auf einen anderen Unterhaltungsgeschmack haben und dass dem der gleiche Respekt gebührt wie der Liebe zum „Rock’n’roll“. Die allzu gut getarnte Ironie dieses Artikels (falls sie überhaupt vorhanden ist) kann die Zukunftsängste, die sein Inhalt bei älteren Lesern auslöst, in keiner Weise ausgleichen.
Mit dem „Mysterium“ der Klasse 12 bW der [Schulname] sollten sich die Verantwortlichen des [Zeitungsname] mit allem Ernst auseinandersetzen. Wer durch die Veröffentlichung eines so formulierten Beitrags versucht, Jugendliche an den kritischen Journalismus heranzuführen, der wandelt auf Irrwegen.

Name…
Ort …


Was er sechs Tage später dann im Kurierblatt lesen konnte, war folgendes:

Volksmusik ist etwas anderes
Den Unterschied zur wahren Volksmusik scheinen die Verfasser nicht zu kennen. Diese Jugendlichen sind nicht fähig oder gewillt zu akzeptieren, dass Millionen Menschen – meist ältere Semester – einfach ein Recht auf einen anderen Unterhaltungsgeschmack haben. Die allzu gut getarnte Ironie dieses Artikels kann die Zukunftsängste, die sein Inhalt bei älteren Lesern auslöst, in keiner Weise ausgleichen.

Name ...
Ort ...


Ob damit den jungen Wilden gedient ist, steht in den Sternen. Lebensnah ist hingegen die Erkenntnis, dass Kritik an der eigenen Arbeit äußerst unbeliebt ist. Und da unterscheiden sich große Tageszeitungen, kleine Vereinsblättchen, Parteizeitungen, Unternehmenszeitungen und eben so genannte Heimatblätter kaum.

Dass die gleiche Zeitung nur wenige Tage später betreffs der erwähnten Jugendseite mit der Titelkombination „Fehlt der Mut zum Schreiben? – Artikel kommen nur zögerlich in die Redaktion“ aufwartete, sei nur noch am Rande erwähnt.

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