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Auch ich bin einem auf den Leim gegangen
persönlich [ ]
Kolumne 43

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von [Delagiarmata ]

2007-04-14  |     | 



„Hobbyautoren werden abgezockt – Zuschussverlage machen gute Geschäfte mit Traum vom eigenen Buch“, titelte die MITTELBAYERISCHE ZEITUNG am 15. Februar 2007. Nicht dass es das erste Mal wäre, dass eine Zeitung dieses Thema aufgreift, oder dass mich die Überschrift sonderlich interessiert hätte. Schließlich gehöre ich doch schon zu den erfahrenen Hobbyautoren. Mein Roman ist...ja, einfach genial. Mit dieser bescheidenen Einschätzung meines eigenen literarischen Werkes habe ich schon mal in Richtung Autorenrechtanspruch einen riesigen Schritt gemacht, denn wie heißt es doch so schön bei Ernst-Wilhelm Händler: „Ich bin der festen Überzeugung, dass ein Urheber von Literatur nur derjenige sein kann, der eine narzisstische Störung hat. Das macht ihn produktiv.“ Behaftet mit diesem Manko machte ich mich also schon vor Jahren auf den beschwerlichen, aber stets hoffnungsvollen Weg nach Oslo.

Zwischenstationen sind natürlich eingeplant. Die Verlage werden schon warten. Schließlich werden ja auch sie von meinem literarischen Ruhm profitieren. Schon sah ich meinen Roman in der Buchhandlung stehen, unverkennbar, zum Beispiel in der Diogenes-Reihe, in einem Blick zu erhaschen mit Namen wie Emily Brontë, Albert Camus, Friedrich Dürrenmatt, Theodor Fontane, Nikolai Gogol, Victor Hugo, John Irving, Franz Kafka, Beatrix Potter und vielen anderen Brüdern und Schwestern im Geiste. Kann man sich diese Glücksgefühle vorstellen? Dann kam irgendwann der Tag mit dem Brief: „Haben Sie vielen Dank für die Zusendung Ihres Exposés und Ihrer Leseprobe. // Leider müssen wir Ihnen heute absagen: Ihr Projekt kommt für unser Programm nicht in Frage. // Wir bitten Sie um Verständnis für unsere Entscheidung und danken Ihnen, dass Sie an den Diogenes Verlag gedacht haben.“

Sollte halt nicht sein! Aber es gibt ja noch andere Buchreihen. „Der Rettungsanker für die Möchtegern-Schriftsteller sind Inserate, die häufig gerade in den als besonders seriös geltenden Zeitungen platziert werden: 'Verlag sucht Autoren', heißt da die frohe Botschaft.“ So die Zeitung, aber natürlich habe ich mein Manuskript nie einem solchen Verlag anvertraut. Mehr noch, da kam so etwas wie Geringschätzung für die vermarktete Eitelkeit aller Schreiberlinge dieser Welt in mir auf. Nein, das kann mir nicht passieren.

Natürlich vertraute ich mein Päckchen ab und zu mal wieder der Post an. Schließlich weiß die Literaturgeschichte von „Großen“ zu berichten, die ihre Erstlinge auch viele Male von Verlagen zurückbekommen haben. Dann endlich. Die erste Antwort klang vielversprechend: „Eine erste Durchsicht Ihres Manuskriptes hat ergeben, dass es möglicherweise für eine Aufnahme in unser Verlagsprogramm empfohlen wird. / Ihr Manuskript wird in den nächsten Wochen intensiv geprüft. Bei einem anschließenden Programmmeeting wird eine endgültige Entscheidung zwischen dem Lektorat, der Programmleitung und dem Verleger getroffen. / Bitte geben Sie uns für diese Entscheidungsfindung etwa 2 bis 3 Wochen Zeit. Sie erhalten danach in jedem Fall eine schriftliche Stellungnahme der Verlagsleitung. Zwischenzeitlich können wir keine Auskünfte bezüglich Ihrer Manuskripteinsendung erteilen. Wir bitten um Ihr Verständnis. // Dem XXX-Verlag kommt es besonders auf eine langfristige Zusammenarbeit mit seinen Autoren an. Die Entscheidung für ein Manuskript ist immer auch eine Entscheidung für den Autor und seine späteren Manuskripte.“

Na, wenn das keine Nachricht war? Seriös, wirklich - nicht umsonst war ich über perlentaucher.de auf diesen Verlag gestoßen -, zwar noch nicht zum Champagnerentkorken, aber drei Wochen sind ja auch keine Ewigkeit.

Und dann war er da, der ersehnte Brief: „Es freut mich wirklich, ihnen aufgrund einer sehr positiven verlagsinternen Beurteilung – die Ihr Manuskript als insgesamt sehr interessant und gut bearbeitet beurteilt -, mitteilen zu dürfen, dass wir beschlossen haben, Ihrem Werk einen Platz in unserem Programm einzuräumen. // Nachdem es aber gerade in der heutigen Zeit für Verlage immer schwieriger wird, langfristig und erfolgreich am Markt bestehen zu können, kann ich ihnen unser Partnerschafts-Modell vorschlagen. Detaillierte Informationen darüber finden Sie im beiliegenden Folder. Sie werden sicherlich – wie bereits viele Ihrer anderen zufriedenen Autorenkollegen – feststellen, dass es sich bei meinem Angebot um ein absolut faires Veröffentlichungsmodell handelt. // Sobald Sie mir das ausgefüllte Autoren-Datenblatt zurücksenden, kann ich Ihnen einen persönlichen Verlagsvertrag zur Ansicht bzw. Unterzeichnung ausarbeiten. Gerne stehe ich Ihnen noch für weitere Fragen zur Verfügung.“

Fragen hatte ich keine mehr, hingegen aber eine Bitte, nachdem ich auch das Autoren-Datenblatt gelesen hatte. Das Buch hätte einen Umfang von 160 Seiten bekommen, wäre in einer Auflage von 3000 Exemplaren gedruckt worden, ich hätte pro verkauftes Buch ein Honorar von 1,84 € bekommen und... ich sollte einen Produktionszuschuss von 3.990 € überweisen. „Um die Vermarktung muss sich der Autor in erster Linie selbst kümmern. Und wenn erst der ganze Freundeskreis versorgt ist, stellt sich schnell Ernüchterung ein.“ Das schreibt die MITTELBAYERISCHE ZEITUNG. Nun hätte mein endlich gefundener Verlag das Buch schon vertrieben, nur hätten mehr als 2000 Exemplare erst einmal verkauft werden müssen, damit ich meinen Produktionszuschusskosten überhaupt gerecht werde, denn wie schreibt doch die Zeitung: „Der Verlag verdient vor allem am Autor – und nicht am Buch.“ Und bei so manchem Freund komme ich mit einem Glas Champagner und einer Bild-Zeitung weit besser an als mit meinem literarischen Werk.

Also habe ich mir ein Glas frisches Wasser eingeschenkt und mein Bittschreiben an den Verlag verfasst: „Herzlichen Dank für Ihr Schreiben, das in unserer Familie eine gehörige Portion Heiterkeit ausgelöst hat, deren Quelle allerdings in einem Missverständnis liegt. Daraus entsprang meine Entscheidung Ihnen mein Manuskript zu schicken. // Ich hatte nämlich nie die Absicht, meine Geschichte einem Zuschussverlag anzubieten, was meinerseits natürlich keine Bewertung Ihrer Arbeit sein soll. Hätte ich das Prinzip des finanziellen Partnerschaftsangebots in Ihrem – übrigens sehr professionellen – Internetauftritt erkannt, wären Sie natürlich von meiner Postsendung verschont geblieben. // Da ich aus unserer Korrespondenz zwar keinen Schaden, aber immerhin eine neue Erfahrung, gepaart mit einer gehörigen Portion Familienspott für mich reklamieren kann – woraus Sie bestimmt erkennen, dass ich es mit der Schriftstellerei nicht so todernst meine -, bleibt es mir leider nicht erspart, Sie um die Rücksendung meines Manuskriptes zu ersuchen. // Sollte das meiner Manuskriptsendung beigelegte Rückporto nicht ausreichen, bin ich gerne bereit, für die Differenz der Rücksendegebühr aufzukommen. // Ich hoffe, Ihnen bisher keine besonderen Umstände bereitet zu haben, und wünsche Ihnen persönlich und beruflich für die Zukunft alles Gute.“

So liegt mein Romanmanuskript wieder in der berühmten Schublade und die literarische Welt ist sich gar nicht bewusst, welche Kostbarkeit ihr da entgeht. Aber wer weiß? Es gibt ja noch eine Nachlassgeschichte und ich freue mich heute schon, wenn ich mir vorstelle, wie meine Kinder die Verlage mit dem Werk eines großen, von den Zeitgenossen verkannten Autors abzocken werden.

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