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poezii



 
Schatten der Nacht ::


Schatten der Nacht
prosa [ ]

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durch Elena Sworski [elienne]

2007-05-04  |     | 



Kurz vor Mitternacht. Die Straße, die vor ihr zwei oder drei Kilometer geradlinig sich ausbreitet, leuchtet im Scheinwerferlicht wie eine Abflug- und Landebahn auf einem Airport.
Das Tachometer klettert rasch über 100 Stundenkilometer, 110, 120, 130… Ihre Hände, auf dem Lenkrad geklammert sind nun die direkte Verbindung zwischen ihr und der Maschine. Der rechte Fuß ist nur ein Steinklotz auf der Gaspedale. Ihre Augen hängen an dem nächtlichen Sternenhimmel und sie spürt, jetzt könne sie fliegen. Sie hört die Motorgeräusche und die Vibrationen des Wagens lassen ihren ganzen Körper vibrieren. Die Spannung ist groß, sie ist eine einzige Vibration.

Die Zeit fließt rückwärts. Sie sitzt auf den Stuhl, am Rande des unendlich langen Flures. Die verschlossenen Türen vor ihr tragen die Beschriftung: Intensivstation. Sie sitzt da, unfähig einen einzig klaren Gedanken zu fassen. Die Gedanken und die Gefühlen katapultieren sie noch mal in die Zeit zurück, fast vier Jahre. Eine lange Zeit. Eine ewig lange Zeit. Eine kurze Zeit. Eine so kurze Zeit. Es geschah wie gestern: Sie stand vor denselben Türen einer Intensivstation und konnte nicht verstehen, was man ihr zu sagen versuchte: „ Wir haben alles unternommen, was in unserer Macht stand, aber wir konnten ihn nicht retten…, es tut uns sehr leid“… die Worte klangen wie Schläge, die ihr Verstand und ihr Herz zu brechen drohten… Ihre Knie wurden weich und sie musste sich hinsetzen… Menschen sprachen um sie herum, was wollen, all diese Menschen? Sie können doch nicht mit mir reden, nein, ich bin nicht hier, was habe ich hier zu suchen? Ah, ihn… Wo ist er? Da liegt er auf dem Bett und schläft… So ruhig, fast lächelt er mich an… Hei, wach auf! Wach bitte auf! Du sollst aufwachen, hörst Du!? Wo bist du? Ich weiß, dass du noch hier bist, wo bist du?

Und warum? Warum???? Warum?????????

Keine Antwort. Fast vier lange Jahre. Vier kurze Jahre?

Vor dem Auto zeichnet sich die Kurve. Wenn ich jetzt gar nicht lenken würde???? ... Fliegen... Könnte ich dann fliegen?...


Sie saß auf diesen verdammten Stuhl in diesem unendlich langen Flur hinter geschlossenen Türen.
Das letzte Mal, als ich jemand auf der Intensivstation gefahren habe, ist er nicht mehr nach Hause gekommen. Tu mir bitte das nicht noch mal an! Bitte!

Sie kriegte im letzten Moment die Kurve doch noch und fuhr entlang des Friedhofes. Du wirst ihn mir nicht nehmen. Nein. Wenn du da drüben jemand brauchst, dann mich. Und darüber rede ich nicht.

Die Spannung löste sich langsam und eine lähmende Ruhe begleitete die letzten Kilometer. Der Flug hatte sie durch eine Zeitspanne von vier Jahren wandern lassen und viele gut versteckte Gefühle, Empfindungen und Regungen hochkommen lassen. Sie dachte, sie wäre weit gekommen, aber jetzt sah sie, dass sie fast am selben Punkt stand. Dass die verdrängten Fragen, die keine Antwort kennen, an sie wieder zerren, aus ihrem Herz Stücke reißend, wie hungrige Hyänen, Schatten der Nacht…

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