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Die letzte Vollmondnacht
prosa [ ]
mir ist alles egal

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von Semida Mang [Semida ]

2009-05-28  |     | 



Der Abend vor der letzten Vollmondnacht

Viele Gedanken und Fragen verfangen sich gerade in meinen wuscheligen Haaren.
Fragen wie: „Wie würde das Deckblatt und der Anfang meines Buches, wenn ich eins schreiben würde, aussehen“? und „Wie viele Kapitel, Titel, Untertitel und ob und … überhaupt…?!
Wie immer, lege ich mich so hin, dass ich genau die tiefe Lücke zwischen den 2 Matratzen unseres Ehebettes mit meinem Rücken, bzw. mit den Wirbeln meiner Wirbelsäule auffülle. Aber dieses Mal rückte mein Mann an den anderen Rand seiner, etwas tiefer liegenden Matratze. Ich konnte nicht einschlafen. Ich hörte nur seinen Atem und ab und zu ein Zucken. Ob er schon schläft?! Das „Gute-Nacht-Küsschen“ habe ich heute von ihm nicht bekommen. Ich saß lange vor meinem PC und ich traute mich nicht ihn anzusprechen, denn heute Abend war er ziemlich geladen. Er hat zu viel gearbeitet und beim Abendessen bekamen wir eine Ladung Stresshormone zu schmecken.
Es gab Fisch aber ich verließ die Küche schon ziemlich früh und ging in mein Zimmer. Als er fertig war, betete er noch für die Kinder und legte sich nach der Abendtoilette hin.
Als ich das Bett nach kurzer Zeit wieder verließ, hustete er. Ich ging in die Küche. Ah, ja! - Weisswein ist noch da. Ich hatte meinem Mann in Gedanken unterstellt, er habe ihn ausgetrunken. Meine Vermutung war glücklicherweise falsch und ich sagte leise: „Es tut mir Leid“. Als ich die Flasche in der Hand hielt, setzte ich dankbar fort, als wäre er neben mir gestanden: „Danke Pupi, dass Du mir etwas übrig gelassen hast“.
Auf dem Tisch stand noch ein roter Becher. Mein Sohn musste daraus getrunken haben. Ich sehe,…Ja – ein paar Milchtropfen waren noch übrig. Er spielt sehr gerne Fußball und trinkt gerne Milch.
Aber heute Abend ist mir alles egal. Es ist mir egal, ob ich aus einem benutzten Becher Weißwein trinke oder nicht.
Manchmal gibt es Tage, da könnte ich mich auf den Kopf stellen und meinen, mir würde die Welt zu Füssen liegen, dann während des Kochens, Geige spielen und lachen, mit Garden of delight mitsingen, vor lauter Freude meine Töchter zum Tanzen bringen und dann …. Dann gibt es aber auch Tage, wo mir nach Schreien zu Mute ist. Aber heute, wie gesagt, …heute ist mir alles egal! Heute störte mich nichts, außer dass ich nicht einschlafen konnte.
Schließlich haben wir ja heute Vollmund. Ich sehe ihn aus dem Küchenfenster, seine stolze Brust vorstrecken.
Meine Güte! Ich liebe meinen Sohn und alles, was mit ihm zu tun hat, stört mich nicht. Ich trinke einfach aus dem, von ihm benutzten Becher. Als er 3 Jahre alt war, sagt er zu mir: „Mama, du bist meine Schokolade!“ Die 3 Tröpfchen Milch, die kriege ich schon runter. Ich machte mir überhaupt keinen Kopf und schüttete noch Weisswein hinzu und fing an zu lächeln.

Bis hierher hatte ich den Text geschrieben und spürte schon den Wein in meinem Kopf.
Eigentlich mag ich gar keinen Weisswein. Aber diesen hier haben wir an Ostern von einer Nachbarin meiner Schwiegermutter aus Schorndorf geschenkt bekommen und der schmeckte mir gut.
Ich gehe wieder schlafen, sagte ich mir leise. Ach, nee… und warf noch einen Blick in meinen Becher. Dieses Mal waren keine Milchspuren zu sehen und ich schenkte mir noch so 2 Finger Weiswein hinzu. Er schmeckte mir gut…
Im Schlafzimmer sah ich den Vollmond reinblicken. Er zeigte sich immer mehr von seiner fotogenen Seite und ich freute mich schon auf die Fotos der „myheimat – Fotografen“.
Wie ich sah und vermutete, lag mein Mann wach im Bett. Ob er ein schlechtes Gewissen hatte?! Ich glaube ja! Aber ich blieb ruhig, den ganzen Abend. Mensch, ich habe auch schlechte Tage.
Ich fühlte mich aber trotzdem geliebt. Die Tatsache, dass er mir von dem leckeren Wein übrig ließ war doch ein gutes Zeichen. Er dachte bestimmt auch an mich.
Wie gesagt, mir war aber alles egal und ich legte mich hin, als wäre nichts gewesen, dieses Mal aber auf seine Matratze, und war glücklich, eine Liebesgeschichte in das gemeinsame Ehebuch verewigen zu können... und wenn ich die Fotos vom letzten lächelnden Vollmond der „myheimat – Fotografen“ sehe, verstehe ich besser den Spruch: „Das Lächeln, das du aussendest, kehrt zu dir zurück" und sage: „Danke, für diese Seite!“

semida mang
28 Mai 2009

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