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- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 2009-04-16 | |
Einnerung an Komunismus
Schein und, oder Wahrheit Heute, ein Tag bevor mein Ehemann aus dem Ausland kam, fand ich einen Brief im Briefkasten. Ah, ja, klar. Sie hat zu Zeit Probleme mit Ihrem Ehemann. Nie sieht man sie auf einer Veranstaltung zusammen. Und in der Kirche sitzen sie nicht nebeneinander. Sie wollte sich zu mir setzten, aber ich rückte nicht auf den anderen Stuhl. Ich wollte nicht, dass sie sich zu mir setzt. Ich habe gleich erkannt, was da los ist und wollte doch indirekt, dass sie sich zu ihrem Ehemann setzt. Aber das tat sie trotzdem nicht. Er hielt das Baby auf dem Arm. Die Studentin, mit der sich ihr Ehemann gut versteht, bekam bei der Bibelarbeit den Rücken gestreichelt, als sie eine schöne Antwort brache: „Arbeiten sei göttlich“. Seine Ehefrau bekam das mit und starrte den Boden dabei an. Nun bemerkte ich, dass der Brief sehr „unpersönlich“ geschrieben wurde und musste an die früheren Zeiten denken, als mein Onkel in Rumänien aus politischen Gründen einen Hungersstreik machte. Aber … komische Verknüpfungen. Mein Onkel wollte nach Amerika auswandern, aber er bekam kein Visum. So aß und trank er 40 Tage lang nichts. Er war gegen die kommunistische Regierung. Da wurden alle Briefe abgestempelt. Alles was rein und raus ging, stempelte man da ab, vorne und da, an der Stelle, wo der Brief zugeklebt wurde. Er wollte sicher gehen, dass die Kommunisten seine Briefe nicht lesen. Aber die Briefe kamen nie an! Er bekam nie eine Antwort; er wartete lange und schrieb immer wieder einen Einschreibebrief. Und so schrieb er sich wund, bis er die Idee hatte, sich mit Lumpen, als bettelnder Zigeuner zu verkleiden und nach Bukarest zu trampen. Das war erfolgreich! Sonst wurde er immer schon am Bahnhof erkannt und wieder nach Hause geschickt, wenn er nicht schon um die Ecke von den „Sekuristen“/“ Security“ angehalten und gefragt wurde, wo er hinwolle. Oft ließen sie ihn sich die Zugfahrkarte kaufen und als der Zug in Bukarest ankam, forderten sie ihn auf, seine Fahrkarte zu zeigen. Ich habe selber gesehen, wie sie ihm die Zugkarte zerrissen und ihn fragten: „Finden sie selber nach Hause oder sollen wir sie heimfahren?!“ Ja, wir haben ihn oft begleitet. Denn oft nahmen sie ihn auf die Wache und schlugen ihn auch schwarz und blau. Er sah danach ganz schlimm aus und oft brachten sie ihn in das Krankenhaus, auf die Unfallchirurgie! Wir wohnten nicht weit weg und besuchten ihn da. Er wurde erst entlassen, als er wieder „ganz normal“ aussah. Sie gaben ihm auch noch neue Klamotten mit, damit sie ihn auf der Straße daran erkennen. Aber er zog diese nicht an. Er hatte viel gelesen und wußte, dass das eine Falle sei. Zwei Sekuristen wurden für ihn eingesetzt, die ihn beobachten sollten. Sie beobachteten ihn aus den Fenstern zweier gegenüber stehenden vierstöckigen Häusern in Zalău, wo wir wohnten. Ich sah oft, wie der Vorhang sich bewegte, als mein Onkel auf die Straße ging. Er wohnte bei uns. Die Kinder dieser Männer fragten uns, warum mein Onkel so böse sei. Aber ich wusste nicht was sie meinten. Mein Onkel war oft mit den Nerven am Ende und war laut und schimpfte mit uns, aber ich wusste nicht, was er hatte, warum er so war. Für mich war er auch böse, aber anders. Er kam nicht voran im Leben. Er durfte nicht arbeiten, weil er seine Kollegen gegen die Regierung aufhetzte. Er bekam eine Art „Sozialhilfe“ stand unter Hausarrest. Die Söhne der Spitzel erzählten uns alles, was ihre Väter über meinen Onkel am Esstisch weitergaben. Zum Beispiel: Immer wenn er das Haus verließ, trugen sie das in ein Buch ein. Sie mussten darauf achten, ob er mit Jacke und Tasche, ob er in sauberen, gepflegten Klamotten das Haus verlässt; ob er saubere Schuhe tragen würde. Das sollte darauf hinweisen, dass er nach Bukarest fahren würde. Der Schein nach Außen, soll die Wahrheit verraten?
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