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Kapitel III

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von [Szeren ]

2017-04-29  |     | 



Der nächste Tag verlief in gewöhnlichen Bahnen. Erst am Lebensmittelgeschäft, als ich meinen Proviant für die anstehende nächtliche Eskapade abholen wollte, stand ich vor verschlossenen Türen: Inventur! Ich griff automatisch nach dem verbliebenen Mineralwasser und machte mich auf meinen Weg durch das herbstliche Stadtviertel in Richtung Bahnhof.
Es dunkelte schon und ein Windstoß erreichte empfindlich mein Gesicht, als ich am Bahnhofsgebäude vorbeischlenderte. Taxis und verschiedene andere Fahrzeuge, älteren und neueren Datums, fuhren an mir vorbei und ich wich immer wieder neu aus. Dabei trat ich in eine Pfütze, die mein Schuhwerk durchnässte, aber ich hatte das Fahrrad am Morgen nicht mitgenommen, um unauffälliger und unabhängiger am Schacht zu sein.
Ein Auto fuhr plötzlich langsam an mich heran und hielt direkt vor mir an. Erst hatte der Fahrer nur das Fenster heruntergekurbelt, aber einen Augenblick darauf überlegte er es sich anders und stieg ganz aus. Er war in eine Sporthose gekleidet, das Sporthemd war über seinem T-Shirt auf der Brust geöffnet. Mehr sah ich nicht von ihm, als er sich vor mir aufstellte.
"Ihre Ausweispapiere, bitte!", meinte der Mann in Zivil ohne eine Miene zu verziehen. Ich griff instinktiv in meinen Rucksack, da er die Hand an die Brusttasche seiner Lederjacke führte, um mir zu bedeuten, dass er ein Hüter des Gesetzes sei.
Dann erst wurde ich stutzig. Ich hatte kein Namensschild oder Ausweis an der Tasche gesehen.
Er kam mir auch schon mit Worten zuvor:
"Wenn Sie hier in dieser Stadt unterwegs sind, können wir Ihnen unseren Schutz gewähren. Wollen Sie nicht einsteigen?", gab er mir forsch zu verstehen.
Ich bedeutete ihm, dass ich das nicht wollte.
„Ich bringe sie, wohin sie möchten“, überraschte mich sein freundlicherer Ton. Unangenehm wehte mich seine eindringende Freundlichkeit an. Ich hatte ihn noch nie gesehen, noch wollte ich Neugierigen Informationen abliefern über mein Vorhaben. Im Nachhinein, am Abend wurde ich erst recht stutzig. Ich hatte kein Namensschild oder Ausweis an der Tasche gesehen. Ich war mir sicher, es konnte sich nur um eine vorgetäuschte oder echte Verwechslung handeln. Innerlich war ich heilfroh, nicht seiner spontan einnehmenden Art auf den Leim gegangen zu sein: Vorstadtmafiosi, und ich war ihnen nur aus purem Glück entgangen.
Vor dem Einschlafen zogen nochmals die Eindrücke vom Schacht an mir vorüber. Ich hatte die Transporteure beobachtet, wie sie die mit Waren und blinden Passagieren angefüllten Wagen für die Fahrt über die Grenze fertig machten. Alles war noch im grünen Bereich, denn sie fragten streng jeden Mitfahrer nach den Personalien. Einer nach dem anderen nahm in dem engen Raum des Vehikels Platz oder setzte sich gerade hin, wo es die Gepäckstücke erlaubten: Die Grenzer würden ein Auge zudrücken.
Ich hielt fest: So und nicht anders war auch mein Schützling, vor wer weiß wie vielen Tagen, über die Landesgrenzen gekommen. Wer weiß, wie sie ihr Gepäck zusammen gepfercht hatten, wer weiß, wie sie von dem Mitgebrachten, außer Landes zurechtgekommen war... Ich schlang meine Arme um die zwei Wolldecken, die meinen müden Körper einhüllten, wälzte mich noch ein paarmal um mich selbst und wurde langsam vom Schlaf übermannt...
Am nächsten Morgen schreckte mich ein Anruf aus dem Schlaf. Der Kommissar wollte wissen, welche Indizien ich hatte und verabredete sich mit mir zu einem Spaziergang am Fluss entlang. Ich berichtete ihm sachlich, wohin sich die Reise des Mädchens und voraussichtlich meine Suche nach ihr begaben. Mein knappes Entkommen von dem Mafioso verschwieg ich wohl. Wollte ich Heldentum vortäuschen? Darauf würde ich keine Antwort finden.

Meine Reise war schnell geplant. Es blieb mir auch nicht viel Zeit, meinen Eltern zu erklären, warum ich von der Arbeit fehlen musste. Sie sollten denken, mein Arbeitgeber hätte mich jemandem empfohlen. In der Arbeit schützte mich eine Entschuldigung seitens des Kommissariats. Sie hatten diesen Fall meinem Wohlwollen und Gutdünken überlassen. Auf dem Spaziergang gab mir der Kommissar noch ein paar Anhaltspunkte und verriet mir den Namen eines verlässlichen Hoteliers, wo ich mich in Ruhe mit dem Mädchen würde unterhalten können, sollte ich sie auffinden. Ein mulmiges Gefühl wurde ich dennoch nicht los. Ich würde auch kein Mineralwasser mehr kaufen. Ich hatte zwar genug Proviant, jedoch das Wasser würde ich eben „drüben schmecken“ müssen, wie ich mir sagte. Ich wusste auch noch nicht welche Fragen ich ihr stellen müsste und was lieber ungesagt werde bleiben müssen. Unsere Freundschaft war sehr kurzlebig gewesen, eine brennende Sympathie, allerdings kurzlebig. War sie gesund? Wie würde ihr Verhältnis sein zu dem Clubinhaber, wo sie vermutet wurde? Wie viel Vertrautheit noch davon übrig bleiben sollte, war eine Frage, die mir keine Ruhe mehr gab. Worüber wollten wir sprechen? Was wenn sie mir nicht genug Vertrauen schenkte? War das Abenteuer es in ihren Augen wert gewesen? Ich würde mein Gepäck ständig selbst auf dem Schoß halten, soviel schwor ich mir, und keinem Caravell-Fahrer überlassen. Das Hotel würde ich der guten Beschreibung nach leicht finden.
Ich fand nur sehr spät Schlaf und widmete mich tags darauf den Vorbereitungen. Mit dem Abendbus sollte ich über die Grenze kommen.

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