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Poezii Românesti - Romanian Poetry



 
Text empfohlen von - Anton Potche

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Meine Weihnachten vor 20 Jahren in Rumänien
prosa [ ]
1989

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
von Semida Mang [Semida ]

2009-12-22  |     | 



Nach der Kirche gingen wir zu Fuß nach Hause. Wir waren eine kleine Gruppe von Frischverliebten und genossen die Großzügigkeit der Eltern, was die Zeit - natürlich die Zeit anbetraf.
An diesen Tagen waren die Straßen in unserer kleinen Stadt wie leer gefegt. Viele politisch interessierte Frauen vernachlässigten ihre Koch-, Backleidenschaft und Pflicht. Als mein Freund den leckeren Kuchen einer anderen Mutter lobte, wurde ich neidisch. Meine Mama hatte im Vergleich zu dieser eine Führungsstelle und war natürlich sehr angespannt. Sie bekam Besuch von den Angestellten und sorgte dafür, dass sie wieder beruhigt nach Hause gingen. Das war ihre Stärke, mit ihren Angestellten zu reden, ihnen einen Rat zu geben, ihnen Mut zu machen.
Ich aß mit meinem Freund bei den anderen Pärchen, die uns einluden.
Ein ganzes Land stand vor dem Fernseher und Radio. Nur wenn es Neuigkeiten gab, suchte man den Kontakt zu den Nachbarn oder Verwandten. Immer wieder gab es Stromausfälle und Störungen. „-Hast du das schön gehört…. ?!“

Die Prediger aus Amerika forderten das rumänische Volk über die Radiosender auf, zu beten und zu fasten. Man sprach von Freiheit und Demokratie. In unserer Region sollten anstatt Dörfer Hochhäuser entstehen.

Nein, ich wussten nicht, was das bedeuten soll. Ich war verliebt und suchte die Nähe. Ich dachte nicht an Ceauşescu und seine Pläne. Für uns war alles wie immer.
Es war schon immer so. Dass wir in den Ferien, in den heißen Tagen auf dem heißen Asphalt für Ceauşescus Besuch Kunststücke üben sollten mit der ganzen Schule, dann mit allen Schülern und Schülerinnen der Stadt - das war für mich nicht normal. Ich wollte es nicht und konnte mich trotzdem nicht dagegen wehren.

Die, die einen kaputten Fernseher hatten, holten ihn aus dem Keller oder vom Dach und suchten nach technischbegabten Nachbarn. Man hörte durch die Hauswand die lauten Töne. Die Antenne wurde auch stundenlang hin und her gezerrt und man sah viele Männer durch die stark angelaufenen Fenster an der Hausantenne basteln.
Über Jahrzente war der Fernseher für viele ziemlich uninteressant. Vormittags gab es die Übertragung von den politischen Reden der Kommunisten. Sie waren beliebt von den Hausfrauen und Müttern, die ein Baby zu versorgen hatten. Sie ließen die Politiker reden und das Baby allein zu Hause und erledigten dabei ihre notwendigen Einkäufe in der Nähe.
Das machte auch meine Mutter. Ihre Philosophie war: "Da, wo es schon 12 Kinder gibt, fällt das 13-te Kind nicht mehr ins Gewicht.“
Sie sagte auch: „Wenn die Babys immer die gleichen Stimmen hören, dann schlafen sie gut – irgendwann erkennen die Babys die Stimmen der Politiker und fühlen sich dabei wohl."
Man hatte ihnen im Schlaf vertraut. Politik im Babyraum.

Für die Schulklassen gab es schon schöne Kindersendungen. Die schönsten wurden während des Kirchenprogramms ausgestrahlt.

Man kann nicht zwei Herren dienen.

Alle andere schalteten den Fernsehen erst abends ein, als es die Nachrichten, Filme oder „Musica Populara“ – Volksmusik gab.

Aber an diesen Tagen sah man im Fernseher, Tausende versammelt vor Kathedralen. Die Menschen in Großstädten gingen auf die Straßen.
Wir hörten von „man habe wild in die Menge geschossen“, wir hörten von den Menschen die Verwandte vermissten und Zettel an die Wände der Kathedrale in Timişoara (Temeswar) klebten. Meine große Schwester studierte damals in Temeswar und berichtete uns von den Löchern in den Wänden der Kathedrale, die aus der Straßenbahn zu sehen seien, von den gefüllten Straßen und den Zusammenstößen der Securitate mit Intellektuellen.

Frau Dr. Elena Ceauşescu ließ die Frau, die ihr die Doktorarbeit schrieb, im Gefängnis ermorden. Das erschreckte mich.

Auch Vieles über das beliebte Hobby des Diktators Nicolae Ceauşescu: "die Bärenjagt" zeigte man uns, dem völlig ahnungslosen Volk. Andere leisteten die "Vorarbeit" für teures Geld aus dem Westen; ... schießen durfte nur Ceauşescu. Lächerlich und zugleich traurig.

Einige Tagen später mussten sie sich selber verantworten. Das Ehepaar Ceauşescu wurde erschossen.
Nun ging es wieder los. Tag und Nacht erfuhr man Neues und Seltsames über das Leben des Diktators. Aber die Menschen haben noch einmal erfahren, dass das Gebet hilft. Wir glaubten, Gott an unserer Seite zu haben. Wir, das ganze Volk, fühlten uns von Gott geliebt.

1989 - die Weihnachten, die einem Volk die Befreiuung von einer kommunistischen Regierung und Diktatur brachte und einen neuen Anfang ermöglichte...

Manche haben sich darüber gefreut, manche haben das nicht verstanden...
genau wie heute, an Weihnachten.

Ich wünsche Allen ein glückliches und frohes Weihnachtsfest!
semida

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