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Gebet für den Arbeiterprinz
gedicht [ ]

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von Anton Potche [Delagiarmata ]

2009-08-18  |     | 



Als Stammhalter und Thronfolger
Lebt er fern vom Königshof.
Das Volk stöhnt vor Hungersnot,
Er aber feiert ohne Sorgen.

Wenn vom Spieltisch auf er steht
Und läßt Millionen dort zurück,
Denkt er sich, heut war kein Glück,
Morgen wird’s schon besser geh’n.

Geldsorgen, was ist denn das?
Die Staatskasse ist immer voll.
Hier lebt ein folgsam Arbeitsvolk
Und der Vater hat die Macht.

Selbstverständlich scheint es ihm,
Daß die Wunderkinder der Nation
Vor des Arbeiterkönigs Sohn
Ergeben fallen in die Knie.

Kein Hindernis für seine Lust
Sind Ehe zwischen Mann und Weib
Oder kindliche Jungfräulichkeit,
Wenn bei Gelagen quält der Durst.

Damit dem Kind kein Unglück zustößt
Und es sich nicht langweilt im Spiel,
Schenkten die Königseltern ihm
Vier Gorillas, stark und blöd.

Auch Limousinen hat der Arme,
Womit er blitzschnell rasen kann,
Wenn die Sehnsucht dann und wann
Ihn verschlägt in andere Arme.

Sorgfältig und liebevoll
Sorgt sich um ihn das Königspaar,
Sonst krümmt man ihm vielleicht ein Haar.
Und ohne ihn... was macht das Volk?

Das arme Volk hat keine Kraft,
Sein Erdenglück noch zu vergrößern
Und beschränkt sich nur aufs Beten,
Hoffend auf die Gottesmacht:

Gottvater im Himmel,
Ruf zu Dir den lieben Sproß
Und bewahre ihn in Deinem Schoß.
Erhöre des Volkes Wille!


[Temeswar, 17.09.1982]

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