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Jetzt, wo sich die Wogen geglättet haben
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Kolumne 75

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von [Delagiarmata ]

2010-02-27  |     | 



Nicht die Tagespresse mit ihren Eilmeldungen und auf die Schnelle verfassten Kommentaren zum Literatur-Nobelpreis, nicht die Nebensächlichkeiten wie die Frisur Herta Müllers, ihre zierliche Figur und hin und her gedeutete gesundheitliche Verfassung während des Rummels um die Preisbekantgabe und Preisverleihung, ja nicht einmal der Insidernebeneffekt der banatschwäbischen Securitate-Spitzel werden es schaffen, dem binationalen Charakter des Ereignisses den Rang abzulaufen. Ist das nun eine deutsche Schriftstellerin, die 2009 den Nobelpreis für Literatur bekommen hat, oder eine rumänische? Für uns Deutsche ist das eine eher absurde Frage.

Nicht so für die Brasilianer: sie sprachen nach dem 9. Oktober 2009 spontan von der „rumänischen“ Schriftstellerin Herta Müller. Mihai Zamfir erzählt diese Anekdote über die „Emigrantin Herta“ in der Zeitschrift ROMÂNIA LITERARĂ Nr. 47 vom 27. November – 3. Dezember 2009. Und er belässt es nicht bei dieser eher zum Schmunzeln anregenden Erfahrung, die er während eines Brasilienaufenthaltes machen durfte, sondern benutzt sie zu weiterführenden, durchaus auch ernst gemeinten Überlegungen.

Mihai Zamfir hat nämlich festgestellt, dass nach Meinung einiger brasilianischer Journalisten der Innenwelt eines literarischen Werkes die gleiche Aufmerksamkeit gebührt wie dem Autor. Und spontan haben sie von der „Rumänin“ Herta Müller geschrieben, was die brasilianischen Leser ohne Bedenken auch akzeptiert haben.

Erinnern wir uns hier an zwei Dinge:
1.) – Herta Müller hat immer wieder betont, dass der Preis ihren Büchern und nicht ihrer Person zuerkannt wurde. Sie habe ihn lediglich in Empfang genommen.
2.) – Die „rumäniendeutsche“ Schriftstellerin hat ein Hauptthema: die Diktatur in Rumänien.

Die Einstellung der Nobelpreisträgerin und die Auffassung einiger brasilianischer Journalisten liegen also sehr nahe beieinander. Und der Literaturkritiker Mihai Zamfir (*1940) untermauert diese Theorie mit anderen Beispielen aus der Welt der Literatur. Panait Istrati eignet sich vorzüglich dazu. Er lebte in Rumänien und Frankreich und schrieb rumänisch und französisch. Die Rumänen sind sowieso mit anderssprachig schreibenden Exilschriftstellern reich gesegnet. Dazu gehören Literaten wie Vintilă Horia oder gar namhafte Figuren der Weltliteratur wie Mircea Eliade, Eugen Ionescu und Emil Cioran. Herta Müller passt gut in diese Reihe, auch wenn sie keine Rumänin sondern nur eine Rumäniendeutsche ist, und aus ihrer Sicht überwiegend nicht in einer Fremdsprache schreibt. Außer dem rumänischen Buch Este sau nu este Ion, Iaşi 2005 (in rumänischer Sprache) hat sie ihre Werke alle in Deutsch verfasst.

Einige der oben Genannten findet Mihai Zamfir durchaus nobelpreiswürdig und begründet damit die von „tausenden und abertausenden Rumänen“ empfundene Freude über diesen Preis, den Herta Müller stellvertretend für „alle großen Rumänen, die das Land verlassen mussten und in anderen Sprachen über das verlassene Land geschrieben haben“, bekommen hat.

Der dann wiederum nicht unbedingt so todernst gemeinte Schluss dieses Kurzessays verdient es in voller Länge wiedergegeben zu werden. Zieht man in Betracht, dass die zwei einzigen in Rumänien geborenen Menschen, die den Nobelpreis erhalten haben, der Arzt Emil Palade und Herta Müller sind, kann man glauben, dass die einzige Chance eines Rumänen, diese Performance zu erreichen, im Verlassen Rumäniens liegt: je jünger, je besser. Den Emigrantenstrom berücksichtigend, der in den letzten Jahren unser Land ergriffen hat, zeichnet sich am Horizont schon eine Plejade von rumänischen Nobelpreisen ab.

Das Gute zuerst: Der erste Satz könnte stimmen und die Zwei waren sogar Drei, wenn man berücksichtigt, dass auch ein unfreiwilliges Verlassen ein solches bleibt. Der Dritte im Bunde der in Rumänien geborenen Nobelpreisträger ist nämlich Ellie Wiesel (*1928, Sighetu Marmaţiei). Er war gerade mal 16, als die Nazis ihn nach Auschwitz verschleppten.

Zum zweiten Satz: Wenn der gute Mihai Zamfir sich nun da mal nicht täuscht. Der letzte Nobelpreis für einen deutschen Autor liegt immerhin schon fast 11 Jahre zurück – Günter Grass, 1999. (Auch er schreibt nicht in der Sprache seiner kaschubischen Vorfahren.) Wenn in einem angenommenen Länderproporz Herta Müller von den Herren in Stockholm Rumänien zugerechnet wird, dann dürfen die Rumänen auf das Siebengestirn noch ein Weilchen warten. Jetzt, wo sich die Wogen geglättet haben, darf man das ruhig sagen, ohne wahrscheinlich rumänischerseits große Enttäuschungen hervorzurufen. Das soll allerdings nicht zu Entmutigungen im rumänischen Literaturbetrieb führen. Schließlich und endlich schreibt man ja für die Literatur und nicht für den Preis. Den bekommt man dann laut Herta Müller auch nur für die Literatur und nicht für sich selbst.

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