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Fließende Grenzen zwischen Genial und Verrückt
artikel [ Bücher ]
Gilles Néret: Salvador Dalí (1904 – 1989)

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von [Delagiarmata ]

2008-03-22  |     | 



Wie kommt man überhaupt dazu, einen Bildband zu kaufen, ohne ein leidenschaftlicher Kunstliebhaber zu sein? Es war 2004, im Sommer, als anlässlich des 100. Geburtstages von Salvador Dalí im Exerzierhaus des Ingolstädter Klenzeparks die Ausstellung „Der unbekannte Dalí“ gezeigt wurde. Natürlich karrte man da nicht seine in alle Welt zerstreuten berühmten Gemälde heran, sondern zeigte Exemplare aus dem Grafik-Œvre des Künstlers: Radierungen, Lithografien, Holzschnitte und gemischte Techniken. Ich verließ auf jeden Fall die Ausstellung mit einem Bildband in der Hand, ein klarer Beweis für den Stachel der Neugier, an dem ich mich zumindest gekratzt hatte.

Das Schicksal dieses Buches von Gilles Néret war dann bestimmt nicht ungewöhnlich. Durchgeblättert, da und dort ein wenig gelesen, das eine oder andere Bild anerkennend, staunend oder auch unverständlich betrachtet wanderte es ins Bücherregal, bis ... ja, bis vor kurzem unsere Tochter mit einem Dalí-Druck im Gepäck von der Uni nach Hause kam: Spärische Galatea, Öl auf Leinwand, 65 x 54 cm, fast zu groß für
unser Wohnzimmer, aber immerhin noch klein genug, um aus gebotenem Abstand erkennen zu können, was der gute Mann da eigentlich gemalt hat.

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Gilles Nérets Bildband bekam endlich den ihm zugedachten Nutzungswert. Es wurde gebraucht. Das kann man ja nun wirklich nicht von jedem Buch behaupten.

Auf Seite 69 ist diese „Sphärische Galatea“ abgebildet und zu dem 1952 entstandenen Gemälde kann man als Bildtext lesen: „Für Dalí ist dies der Paroxysmus der Freude, eine anarchische Monarchie, die Einheit des Universums ... Jedenfalls ist es ein unerhörter technischer Kraftakt, der auf der mystischen Ebene einen Gipfelpunkt der Reinheit und der rauschhaften Ekstase erreicht. Wie bei Mozart glaubt man die Sphärenmusik zu hören, nach der die Sirenen tanzen."

Uff, da musst du lesen, war die einzig übrig gebliebene Möglichkeit. Zum Glück ist dieser Bildband keine Aneinanderreihung von Bildern mit ähnlichen Bildtexten, sondern auch ein ausführlich betextetes Buch mit für jedermann verständlichen Informationen, die einem den Künstler und sein Werk wirklich näher bringen können.

Salvador Dalí war auf jeden Fall ein Künstler, der nicht nur durch sein Werk zu Lebzeit provozieren und schockieren konnte, sondern auch durch sein Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit. Gilles Néret stellt ihn in eine Reihe mit Picasso, Matisse sowie Duchamp und versteht nicht, „dass weiterhin die Tendenz besteht, ihn für verrückt zu erklären“. Der Autor dieses Bildbandes ist bemüht, das Schaffen Dalís so zu deuten, dass der Leser versucht, von den gängigen Betrachtungsweisen eines Bildes abzurücken und das Symbolhafte, oft dem Mystischen Verhaftete in diesen Gemälden sucht. Dabei kommt dem Leser, hier Betrachter, die photographisch scharfe Malkunst Dalís zugute. Ich zumindest erinnere mich plötzlich an ähnlich skurrile, schwer definierbare Figuren, die mein Unterbewusstsein bevölkert haben müssen, als ich im Kindesalter so manche Ängste, die in der Unfassbarkeit der mich umgebenden dinglichen Welt ihren Ursprung hatten, durchlebte. Und sonderbarerweise – oder sollte das normal sein? – muss ich gestehen, dass das eine oder andere Bild, wenn auch noch verschwommen, mit fortschreitendem Alter immer häufiger als Blitzbild, nur vom eigenen Geist wahrnehmbare Augenblickserscheinung, plötzlich auftaucht und ebenso schnell wieder weg ist.

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„Der Unterschied zwischen den Surrealisten und mir ist der, dass ich Surrealist bin.“ Das sind die Worte Salvador Dalís. Ob er sich hier als einzigen Surrealisten hochstilisiert hat – Überheblichkeit schien ja keine ihm fremde Eigenschaft gewesen zu sein –, darf getrost Interpretationssache bleiben. Fakt ist, dass es nur wenigen Künstlern so überzeugend gelungen ist, die Grenzen zwischen der uns umgebenden Außenwelt und unserer jeweils eigenen und einmaligen Innenwelt aufzuweichen.

Das wirklich sphärische Bildnis seiner angebeteten Frau Gala, die er übrigens dem surrealistischen Dichter Paul Éluard ausgespannt hat, in unserem Wohnzimmer, eine sogar an der Küchenwand hängende Dalí-Postkarte und nicht zuletzt Gilles Nérets hervorragender Bildband Salvador Dalí (1904 – 1989), der anscheinend den Weg zurück ins Bücherregal nicht mehr antreten will und noch immer mal da und mal dort in der Wohnung herumgeistert, sind ein beredtes Beispiel für die Zeitlosigkeit und gleichzeitig für das Entstehungsempfinden von Zeitkreisen – Kindheit, Jugend, Erwachsensein, Alter, Kindlichkeit -, die von Dalís surrealistischen Bildern ausgehen und anscheinend nicht nur bei mir Wirkung zeigen.


Gilles Néret: Salvador Dalí (1904 – 1989; Taschen GmbH, 2004; ISBN 3-8228-6592-3; www.taschen.com

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