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Ein ernüchternder Frühschoppen im Literaturzelt
artikel [ Kultur ]
Open Flair in Ingolstadt

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von [Delagiarmata ]

2009-09-12  |     | 



Spätsommerzeit ist Festezeit. Zumindest für Bayern ist diese Regel unverrückbar. Das erste Septemberwochenende gehörte in Ingolstadt einem mehr auf Kultur als auf die üblichen kulinarischen Genüsse ausgerichteten Fest: Open Flair. Unzählige Zelte säumten die Wege im Klenzepark. Atmosphäre. Mittelalter und fremde Kulturen. Und ein Zelt im tiefen Schatten, dort hinter dem mächtigen Turm Triva, wo der Park noch Wald ist.

Das Literaturzelt: Treffpunkt der Minnesänger des 21. Jahrhunderts. „Wort im Wald“ hieß die dreitägige Veranstaltungsreihe. Sie beinhaltete Lesungen, „ruhige Musik zum Lesen und Entspannen“ (Programm), einen Poetry Slam, Improvisationstheater, Zeichenkurs für Kinder und nicht zuletzt einen Literaturfrühschoppen, sonntags morgens um 11, mit vorgegebenem Thema.

Zwei Frauen und zwei Männer hatten auf dem Podium Platz genommen. Etwa zwanzig Leute saßen im Zelt, auf weißen Plastikstühlen. Wie viele von ihnen ein unveröffentlichtes Manuskript zu Hause in der Schublade liegen haben, war auch nach den abschließenden Diskussionen kaum abzuschätzen.

Nachdem er seine Gesprächspartner vorgestellt hatte, eröffnete der wie gewöhnlich souveräne Moderator Harald Kneitz (im Bild 3. v. l.) vom Kulturamt Ingolstadt die Diskussionsrunde gleich mit der Frage, um die sich alles drehen sollte: „Wie werde ich Schriftsteller?“
Cornelia Neudert (*1976), erfolgreiche Kinder- und Jugendbuchautorin mit vielen Veröffentlichungen, hatte sofort eine Antwort parat: Glück, Durchhaltevermögen, „auch etwas Talent“.

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Melanie Arzenheimer (*1972) ist über die Wettbewerbsschiene an einen Verlag gekommen. Sie schreibt Gedichte und ist sich bewusst, dass „Lyrik in Deutschland so beliebt wie eine Darmspiegelung ist“. Obwohl sie schon ein Buch veröffentlicht hat, zählt sie sich „noch nicht“ zu der Berufssparte der Poeten.

Ob man von Literatur überhaupt leben kann? Ja. „Ich kann jetzt von meinen Büchern leben“, sagte Cornelia Neudert (im Bild links), sie sei aber noch beim Bayerischen Rundfunk beschäftigt und vor allem dort auch krankenversichert. Da relativiert sich dann doch einiges. Melanie Arzenheimer ist diesbezüglich geradliniger: Lyriker sind oft realitätsfern, von Lebensunterhaltsverdienst kann in der Sparte keine Rede sein, sagte sie. Auch sie lebt von ihrer journalistischen Arbeit.

Warum das alles so ist, entschlüsselte Gerhard Winter (*1959) schonungslos und für so manchen Schreiberling unter den Gästen eher ernüchternd. Ohne die richtigen Kontakte sieht der im Drehbuchbereich tätige Lektor keine Chancen für Anfänger in Sachen Literatur. Originalton: „Man kann der Vermarktung nicht entkommen“. Und er nimmt den nach literarischem Ruhm schmachtenden Träumern auch noch die letzte Hoffnung. Selbst Literaturagenturen seien kaum noch eine Hilfe für Suchende. Die sind längst zu Vorschaltzentralen der großen Verlage mutiert.

Warum wird aber trotzdem so viel geschrieben? „Ich mach es, weil ich’s machen muss. Sonst geht’s mir schlecht“, bekannte Neudert, obwohl die Arbeit mit Verlagen und Lektoren nicht immer ein Zuckerschlecken ist. Sie erzählte freimütig von Themen-, Zeilen-, ja sogar Anschlagvorgaben. Diesen Zwang als Herausforderung anzunehmen, sei eigentlich schon Motivation genug zum Weitermachen, meinte dazu Melanie Arzenheimer.

Mit je einem letzten literarischen Wunsch der drei Diskussionsteilnehmer – wenn sie ihn denn frei hätten - ging ein sehr unterhaltsamer und zugleich lehrreicher Literaturfrühschoppen zu Ende. Cornelia Neudert: „Dass ich die Energie aufbringe, einen begonnenen Jugendroman fertig zu schreiben.“ Melanie Arzenheimer: „Dass mehr Lyrik gelesen wird und ich irgendwann auch Theater und Prosa schreibe“. Gerhard Winter: „Zeit zu haben, um auch selber Drehbücher schreiben zu können.“

Es war auch diesmal wie so oft bei solchen Veranstaltungen: Die Erfolgreichen – laut Kneitz die Schriftsteller - saßen auf dem Podium, die Hoffenden und wohl auch Ernüchterten – auch laut Kneitz die Textschreiber - im Zelt. Diese Differenzierung wollte einem der Letzteren gar nicht gefallen, was zu einer lebhaften Diskussion führte. Und das breite Publikum, das eigentlich die vielen Bücher lesen sollte? Es spazierte draußen durch die Zeltreihen und genoss den schönen Spätsommer.

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© Fotos: Anton Delagiarmata

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